Ich habe mich dieses Jahr ein bisschen in meiner Büroarbeit verloren. Viel Zeit am Schreibtisch, viel am Laptop und mein früheres Hobby Joggen ist dabei fast völlig untergegangen.
Im Sommer war ich zwar viel schwimmen und dadurch auch regelmäßig in Bewegung. Trotzdem habe ich irgendwann gemerkt: Meine Kondition ist nicht mehr das, was sie einmal war.
Und dabei wohne ich in einer Gegend, in der andere Urlaub machen und zum Wandern herkommen. Warum also nicht einfach wieder anfangen? Nicht mit großen Zielen und möglichst vielen Höhenmetern. Sondern Schritt für Schritt – vom Sofa auf den Berg.
Warum ich gerade im Herbst wieder anfangen möchte
Ich mag den Herbst. Die klare Luft, die Farben der Wälder, das Rascheln der Blätter unter den Füßen und diesen typischen Geruch nach Wald und feuchter Erde. Wenn sich die ersten Blätter verfärben und morgens die Luft kühler wird, zieht es mich automatisch wieder mehr nach draußen.
Für mich ist das eine der schönsten Jahreszeiten, um in der Natur unterwegs zu sein. Im Sommer ist es mir für längere Wanderungen manchmal ohnehin zu warm. Im Herbst dagegen kann man morgens eine Jacke überziehen und einfach losgehen.
Natürlich gibt es auch die andere Seite. Wenn es grau und ungemütlich wird, sind Sofa, Decke und eine Tasse Tee ziemlich verlockend. Und ich finde, das gehört zum Herbst genauso dazu.
Ich möchte nur wieder eine bessere Balance finden. Gemütliche Stunden drinnen genießen, aber genauso bewusst die Schuhe anziehen und rausgehen. Denn wenn ich eines in den letzten Monaten gemerkt habe, dann, wie schnell Bewegung aus dem Alltag verschwinden kann, wenn man viel am Schreibtisch sitzt.

Mit dem Wandern anfangen – ohne gleich den Gipfel im Blick zu haben
Wenn man in einer Bergregion wohnt, könnte man meinen, Wandern müsse immer gleich eine richtige Bergtour sein. Möglichst viele Kilometer, ordentlich Höhenmeter und am Ende natürlich ein Gipfel.
Muss es nicht.
Eine Runde durch den Wald, ein Weg am See oder eine leichte Wanderung mit wenigen Höhenmetern sind genauso ein Anfang. Gerade wenn die Kondition nicht mehr so gut ist wie früher, finde ich das sogar sinnvoller.
Ich möchte nicht bei der ersten Tour so übertreiben, dass mir anschließend drei Tage lang alles wehtut und ich schon beim Gedanken an die nächste Wanderung keine Lust mehr habe. Mir geht es darum, wieder regelmäßig Bewegung in meinen Alltag zu bekommen.
Deshalb fange ich dort an, wo ich gerade stehe. Die längeren Strecken und höheren Berge können später kommen.
Ich muss nicht erst fit sein, um mit dem Wandern anzufangen. Durch das Wandern kann ich wieder fitter werden.
Das richtige Tempo: Ich muss niemandem etwas beweisen
Eine Sache finde ich beim Wiedereinstieg besonders wichtig: das eigene Tempo zu finden.
Gerade bergauf bringt es wenig, viel zu schnell loszugehen. Nach zwanzig Minuten ist die Puste weg und plötzlich fühlt sich die ganze Wanderung nur noch anstrengend an.
Kleine Schritte und ein gleichmäßiges Tempo sind für mich die bessere Lösung. Ein einfacher Anhaltspunkt ist der sogenannte Plauder-Test: Kann ich mich beim Gehen noch normal unterhalten, ohne nach jedem Satz nach Luft schnappen zu müssen, passt das Tempo.
Gerade wenn andere Wanderer an einem vorbeiziehen, muss man sich daran manchmal selbst erinnern. Aber warum sollte ich mich mit Menschen vergleichen, die vielleicht jede Woche auf dem Berg sind?
Wenn andere schneller sind, dann sind sie eben schneller. Ich möchte unterwegs schließlich auch noch etwas von der Landschaft mitbekommen. Und genau darum geht es mir beim Wandern mindestens genauso sehr wie um die Bewegung.
So baue ich meine Kondition langsam wieder auf
Meine Kondition ist nicht von heute auf morgen verschwunden und sie wird wahrscheinlich auch nicht nach zwei Wanderungen wieder da sein.
Deshalb möchte ich mit kürzeren Strecken und wenigen Höhenmetern beginnen. Wenn eine Tour gut klappt und ich mich auch am nächsten Tag noch gut fühle, darf beim nächsten Mal etwas dazukommen.
Dabei finde ich einen Gedanken hilfreich: nicht alles gleichzeitig steigern. Eine längere Strecke muss nicht gleichzeitig deutlich mehr Höhenmeter haben. Und wenn es steiler wird, darf die Runde dafür kürzer sein.
Mir ist Regelmäßigkeit wichtiger als eine einzelne große Tour. Eine oder zwei kleinere Runden in der Woche bringen mir wahrscheinlich mehr als eine Wanderung, nach der ich anschließend für die nächsten vier Wochen wieder auf dem Sofa sitze.
Und auch das gehört für mich dazu: umdrehen dürfen. Wenn die Kraft nicht reicht, das Wetter kippt oder es sich einfach nicht gut anfühlt, ist Umkehren kein Scheitern.
Der Berg steht beim nächsten Mal immer noch da.
Was brauche ich, wenn ich mit dem Wandern anfange?
Auch bei der Ausrüstung möchte ich es unkompliziert halten. Man muss sich nicht erst von Kopf bis Fuß neu ausstatten, bevor man überhaupt die erste Runde gelaufen ist.
Bei vielen Dingen reichen Sachen, die vielleicht sowieso schon im Schrank liegen. Eine bequeme Hose, Funktionsshirt, Fleecejacke und ein kleiner Rucksack sind für den Anfang völlig ausreichend.
Bei guten Wanderschuhen spare ich nicht
Bei Shirt oder Fleece muss es für mich keine teure Marke sein. Bei Wanderschuhen sehe ich das anders. Schließlich tragen meine Füße mich über jeden einzelnen Kilometer.
Die Schuhe sollten gut passen, Halt geben und ein vernünftiges Profil haben. Gerade im Herbst können nasses Laub, feuchte Wurzeln und matschige Wege schnell rutschig werden.
Hier würde ich lieber einmal vernünftig kaufen und mich im Fachgeschäft beraten lassen. Auch gute Wandersocken finde ich sinnvoll. Sie müssen nicht spektakulär aussehen – aber wer schon einmal mit einer Blase mehrere Kilometer zurücklaufen musste, weiß gute Socken schnell zu schätzen.

Im Herbst funktioniert das Zwiebelprinzip
Das Herbstwetter kann ziemlich wechselhaft sein. Morgens ist es kühl, beim Bergaufgehen wird einem warm und bei der Pause zieht plötzlich ein kalter Wind auf.
Deshalb trage ich lieber mehrere dünne Schichten übereinander. Ein Funktionsshirt, darüber Fleece und je nach Wetter eine wind- und regenfeste Jacke. So kann ich unterwegs eine Schicht ausziehen und später wieder anziehen.
Mütze oder Stirnband, ein dünner Schlauchschal und bei kühleren Temperaturen leichte Handschuhe brauchen kaum Platz im Rucksack. Gerade bei einer Pause kann man darüber ziemlich froh sein.
Wandern im Herbst: Darauf achte ich besonders
So schön das Wandern im Herbst ist, die Jahreszeit bringt ein paar Dinge mit, auf die ich stärker achten möchte.
Die Tage werden kürzer. Deshalb starte ich lieber früher und plane genügend Zeit für den Rückweg ein. Gerade bei einer neuen Strecke möchte ich nicht erst in der Dämmerung feststellen, dass ich noch eine Stunde vor mir habe.
Nasses Laub kann tückisch sein. Was auf einem normalen Waldweg harmlos aussieht, kann bergab ziemlich rutschig werden. Das Gleiche gilt für feuchte Wurzeln und Steine. Da gehe ich lieber einen Schritt langsamer.
Das Wetter gehört vorher zum Check. Besonders in den Bergen können sich die Bedingungen schneller ändern als unten im Tal. Eine Regenjacke im Rucksack nimmt nicht viel Platz weg und kann unterwegs Gold wert sein.
Mein Handy kommt geladen mit. Wenn ich alleine losgehe, finde ich es außerdem sinnvoll, jemandem kurz zu sagen, welche Strecke ich ungefähr geplant habe.
Und dann gibt es noch etwas, das nichts mit Sicherheit zu tun hat, für mich aber trotzdem dazugehört: eine Thermoskanne mit warmem Tee.
Irgendwo unterwegs eine Pause machen, einen warmen Tee trinken und einfach ein paar Minuten auf die Berge, den Wald oder einen See schauen – für genau solche Momente gehe ich schließlich raus.
Mehr Bewegung im Herbst – ohne daraus eine Pflicht zu machen
Bei all dem möchte ich eines vermeiden: aus der Bewegung gleich das nächste Pflichtprogramm zu machen.
Ich muss nicht jeden Sonntag auf einen Berg. Nicht jede Runde muss länger sein als die vorherige und ich brauche keine Statistik, die mir sagt, ob der Tag erfolgreich war.
Manchmal reicht vielleicht eine Stunde im Wald. An einem anderen Tag wird daraus eine längere Wanderung. Und wenn das Wetter richtig ungemütlich ist, darf ich anschließend auch wieder mit gutem Gewissen auf meinem Sofa sitzen.
Für mich ist genau das der Unterschied: Ich möchte mich nicht zu Bewegung zwingen. Ich möchte wieder Lust darauf bekommen.

Häufige Fragen zum Wandern im Herbst
Wie fange ich mit dem Wandern an, wenn ich wenig Kondition habe?
Starte mit kurzen und eher flachen Strecken. Regelmäßig kleinere Runden zu gehen ist am Anfang wichtiger als möglichst viele Kilometer oder Höhenmeter zu schaffen.
Was ziehe ich zum Wandern im Herbst an?
Praktisch ist das Zwiebelprinzip mit mehreren dünnen Schichten. Dazu gehören feste Schuhe mit gutem Profil und je nach Wetter eine wind- und regenfeste Jacke.
Muss ich für das Wandern besonders sportlich sein?
Für leichte Wanderungen musst du keine Sportlerin sein. Wichtig ist, Strecke und Schwierigkeit an deine aktuelle Kondition anzupassen. Wenn du länger keinen Sport gemacht hast oder gesundheitliche Beschwerden hast, kläre vorher ärztlich ab, welche Belastung für dich geeignet ist.
Kann ich im Herbst alleine wandern?
Auf einfachen und bekannten Wegen ist das möglich. Prüfe vorher Route und Wetter, nimm ein geladenes Handy mit und sag jemandem Bescheid, wo du unterwegs bist. Anspruchsvollere Touren würde ich als Anfängerin nicht alleine gehen.
Mein Fazit: Ich muss nicht auf den Gipfel – ich muss erst einmal losgehen
Vom Sofa auf den Berg klingt nach einem ziemlich großen Vorhaben. Für mich beginnt es viel kleiner: Schuhe anziehen und rausgehen.
Ich möchte diesen Herbst nutzen, um wieder mehr Bewegung in meinen Alltag zu bringen, meine Kondition zurückzugewinnen und gleichzeitig eine Jahreszeit zu genießen, die ich besonders gerne mag.
Vielleicht führt mich eine Runde nur durch den Wald. Vielleicht geht es beim nächsten Mal ein Stück höher. Und irgendwann steht dann wieder eine größere Bergtour an.
Ich muss heute noch nicht wissen, welcher Gipfel das sein wird.
Denn mein erster Schritt führt nicht auf den Gipfel. Er führt erst einmal vor die Haustür.
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